Emig, Joachim (Hg.)
Der Altenburger Prinzenraub 1455
Strukturen und Mentalitäten eines spätmittelalterlichen Konflikts
Bestell-Nr 29-021
ISBN 978-3-86729-021-0
erschienen 01.01.2007
Maße 22 x 17 cm
Gewicht 1298 g
Preis 29,80 inkl. 7% MwSt
Lieferstatus   Lieferbar
Wenige Ereignisse in der Geschichte Altenburgs und der Region waren von solch herausgehobener Bedeutung für die sächsisch-thüringische Landesgeschichte wie der Raub der beiden kurfürstlichen Prinzen Ernst und Albrecht durch den früheren kurfürstlichen Beamten Kunz von Kaufungen aus dem Altenburger Schloss in der Nacht zum 8. Juli 1455.
Bewertung und Einordnung von »Tat und Täter« sind seit Jahrhunderten einem breiten Beurteilungsspektrum ausgesetzt gewesen. Dieses reichte von der Charakterisierung als gewalttätigem Akt eines Raubritters bis zur romantischen Hochstilisierung der Entführung als ein gegen die Willkür des Landesherrn gerichteter Kampf für ständische Freiheit. Wie Handlung und Handelnde in die Geschichte des Spätmittelalters einzuordnen sind, stand zuletzt in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Blickfeld der Geschichtsforschung. Eine moderne Auseinandersetzung mit der Thematik lag nahe.
Die in der Publikation versammelten Beiträge spiegeln die Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Tagung wider, die anlässlich des 550. Jubiläumsjahrs des Prinzenraubs im Jahr 2005 von der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, dem sächsischen Verein für Landesgeschichte Dresden und dem Thüringischen Staatsarchiv Altenburg durchgeführt wurde.
Bei der Themenauswahl wurde besonders Wert auf eine vielschichtige, interdisziplinäre Betrachtung gelegt, ohne aber grundlegende Strukturen der Epoche, die Protagonisten und die historische Faktizität des Geschehens außer Acht zu lassen. Einleitende Beiträge befassen sich mit dynastischen und gesellschaftlichen Wirkmechanismen (innerwettinische Konflikte, der Altenburger Hof, mitteldeutsche Fehden, Fehdewesen). Ihnen folgen Untersuchungen zur Person Kunz von Kaufungens (Familie, Markgräflerkrieg), zur Chronologie des Ereignisses sowie zu seiner Einordnung in die sächsisch-böhmischen Beziehungen. Im Zentrum rechtshistorischer Analyse steht die Entführung als »Rechtsfall« (Schiedsverfahren, Schöffensprüche). Die Beschäftigung mit Nachhall und Rezeption des Prinzraubes weitet schließlich den Blick auf den Widerhall des Ereignisses sowohl im zeitgenössischen (das sog. »kurfürstliche Manifest«) und frühneuzeitlichen Schrifttum als auch in Zeugnissen der Volkssage und bildenden Kunst.
Ausgewählte, teils farbig wiedergegebene Abbildungen und drei Beilagen (zwei Stammbäume der Kaufunger und der Wettiner sowie eine Landkarte der wettinischen Lande um 1450 mit den Orten der Prinzenraub-Geschehnisse) ergänzen die Beiträge.

Aus dem Inhalt:
Jörg Rogge: Konflikt, Kommunikation, Konsens. Zur Regelung innerdynastischer Konflikte bei den Wettinern in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
Brigitte Streich: Herrschaftszentrum – Hof – Witwensitz. Altenburg als Residenz im 15. Jahrhundert
André Thieme: Zum Fehdewesen in Mitteldeutschland: Grundlinien der Entwicklung im 15. und 16. Jahrhundert
Christine Reinle: Fehdeführung und Fehdebekämpfung am Ende des Mittelalters
Joachim Schneider: Kunz von Kaufungen in seinem sozialen Umfeld: Besitzverhältnisse, Verwandschaft und Beziehungen zum regionalen Adel
Eberhard Hetzer: Milowitz – südöstlich von Arnshaugk? Ein Diskussionsbeitrag zur Lokalisierung des einstigen Gutes des Kunz von Kaufungen
Enno Bünz: Kunz von Kaufungen im Markgräflerkrieg (1449/1450)
Uwe Tresp: Die Spur führt nach Böhmen. Der Prinzenraub im Kontext der sächsisch-böhmischen Beziehungen um die Mitte des 15. Jahrhunderts
Reiner Groß: Der Prinzenraub – eine Rekonstruktion des Geschehens
Heiner Lück: Kunz von Kaufungen versus Kurfürst Friedrich II.: Das misslungene Schiedsverfahren als Auslöser des Prinzenraubs
Michael Rockmann: Die Schöffensprüche aus Magdeburg und Leipzig von 1455 im Schiedsverfahren zwischen Kunz von Kaufungen und Kurfürst Friedrich II. von Sachsen
Uwe Schirmer: Das so genannte kurfürstliche Manifest vom 26. Juli 1455. Eine wichtige Quelle zur Geschichte des sächsischen Prinzenraubs
Detlef Döhring: Die Rezeption des Prinzenraubs im frühneuzeitlichen Schrifttum (16. bis frühes 19. Jahrhundert)
Petra Weigel: Sage und Volkslied als gelehrte Erfindung. Zur Dynamik der Traditions- und Mythenbildungen um den Sächsischen Prinzenraub seit dem 15. Jahrhundert
Perdita Schachtschneider: Das Thema »Altenburger Prinzenraub« im Bilderbestand des Schloss- und Spielkartenmuseums
Reiner Groß: Zeittafel zu Kunz von Kaufungen und dem Prinzenraub
×